Einen Monat vor seinem 19. Geburtstag bekommt Albian Berisha die Diagnose Leukämie. Heute hat er seinen Master in der Tasche und steht er kurz vor seinem Referendariat als Lehrer.
Es ist das Jahr 2019. Albian Berisha hat gerade sein Abi gemacht und einen Studienplatz in Paderborn bekommen. Erste eigene Wohnung zusammen mit seiner Schwester, Semesterstart, neue Leute, neuer Lebensabschnitt. Als er immer häufiger husten muss, hält er das zuerst für einen harmlosen Infekt. Als der Husten auch nach einigen Wochen nicht besser wird, geht er zum Hausarzt. Der überweist ihn zur Abklärung ins Klinikum Gütersloh.
Dort wird er in der Klinik von Herrn Prof. Dr. Massenkeil mit dem Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie aufgenommen. Die Klinik ist zertifiziertes Zentrum für hämatologische Neoplasien der deutschen Krebsgesellschaft (DKG).
Sein Zustand ist schlecht: Seine Organe sind geschwollen, er hat Wasser im Herzbeutel und in der Lunge. Das Blutbild bestätigt die Vermutung der Ärzte, er hat Leukämie. Genauer gesagt, Akute Lymphatische Leukämie. Es ist die häufigste Blutkrebsvariante bei Kindern und Jugendlichen. Sie entsteht durch eine Reihe genetischer Mutationen in den Vorläufern von Lymphozyten, den Hauptakteuren unseres Immunsystems.
„Ich dachte, ich kann nach der Untersuchung nach Hause gehen, ich hatte nicht mal eine Zahnbürste oder Schlafsachen dabei, aber dann war ich zum ersten Mal in meinem Leben für acht Wochen am Stück im Krankenhaus.“ Die ersten Tage nach der Diagnose erlebt er im Zeitraffer: Die Ärzte empfehlen Albian, seine Spermien einfrieren zu lassen, falls er irgendwann Kinder möchte, weil die Krebsbehandlung die Fruchtbarkeit schädigen kann. Ein Thema, an das er bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gedanken verschwendet hatte. Seine beiden Schwestern lassen sich für eine mögliche Stammzellentransplantation typisieren, doch sie kommen als Spenderinnen nicht in Frage. Noch am selben Abend bekommt er die erste Dosis seiner Chemotherapie.
Dr. med. Timo Weber, sein behandelnder Arzt und Koordinator des Zentrums für hämatologische Neoplasien: „In dieser ersten Phase der Chemotherapie geht es darum, den Krebs so weit zurückzudrängen, dass im Knochenmark und Blut keine Leukämiezellen mehr nachweisbar sind.“ In ihrer wöchentlichen Tumorkonferenz legen Dr. Weber und seine Kollegen den individuellen Behandlungsplan für Albian fest. Auch in der wöchentlichen Leukämiekonferenz mit dem Universitätsklinikum Münster (UKM) trägt Dr. Timo Weber den Fall vor. Schnell ist klar, das wird ein Marathon und keine Kurzstrecke. Die Chemotherapie greift alle schnell wachsenden Zellen an, nicht nur die Krebszellen. Haare, Augenbrauen, Mundschleimhaut, Fingernägel. Die Frage „Warum ich?“ stellt sich Albian nicht. Aufgeben ist keine Option. Er lässt sich die Behandlungspläne geben, recherchiert im Internet, liest was er in die Finger bekommt. „Ich wollte verstehen, was mit meinem Körper passiert und habe ihn immer besser kennengelernt. Ich habe gelernt, Diagnosen zu lesen und versucht, die Therapie aktiv zu unterstützen.“
Mit Erfolg: Die Behandlung schlägt schnell an, die Krebszellen reduzieren sich deutlich. Dr. med. Timo Weber: „Das war ein erster Etappensieg für uns. Wir profitieren als Ärzte enorm davon, dass wir in unserer Tumorkonferenz jeden Fall intensiv mit allen Experten an einem Tisch diskutieren können. Was ist die bestmögliche Therapieoption, wie können wir den Patienten in seiner Behandlung optimal unterstützen?“ Am Tisch der Tumorkonferenz sitzen Radiologen, Pathologen, Fachärzte für Innere Medizin und Onkologen im Team zusammen. Auch die Ärztinnen und Ärzte der Onkologischen Praxis auf dem Klinikgelände sind von Anfang an in die Therapie mit einbezogen. Für die Patienten bedeutet das gebündelte Kompetenz, kurze Wege und eine von Anfang bis Ende durchdachte Therapie. Albian Berisha: „Die Ärzte und Pflegekräfte waren eine enorme Stütze für mich, das geht weit über die Behandlung hinaus. Sie haben mir Essen mitgebracht, auf das ich in der Chemo Appetit hatte, Sonderbesuchszeiten für Freunde und Familie organisiert oder einen Stuhl besorgt, damit ich im Sitzen bequemer mit meiner Konsole gegen die Langeweile anspielen kann.“
Insgesamt ist Albian mit kurzen Unterbrechungen elf Monate im Krankenhaus. Seine Eltern, Geschwister und Großeltern kommen jeden Tag, spielen Karten mit ihm oder gehen im Stadtpark neben der Klinik spazieren. „Der erste Monat kam mir wie ein Jahr vor, das hat sich ewig hingezogen.“ Albian liest sich während der Chemo seine Seminarunterlagen durch, versäumt nur ein Semester und steigt direkt nach dem Krankenhausaufenthalt wieder in sein Studium ein. Die ersten anderthalb Jahre nach Abschluss der Behandlung muss er jede Woche zur Kontrolle in die Onkologische Praxis. Verändert sich das Blutbild, wollen die Ärzte sofort reagieren. Inzwischen muss er nur noch alle sechs Monate hin.
Im Frühsommer tritt er sein Referendariat in Neuss an. Er will Lehrer für Deutsch und Philosophie werden. Er freut sich auf diesen Schritt. Im Praxissemester an einem Gymnasium in Gütersloh hat er gemerkt, dass er das Zeug dazu hat, ein guter Lehrer zu werden. „Die Krebserkrankung hat mich gelassener gemacht. Wenn andere sich vor einer Prüfung verrückt machen oder über Kleinigkeiten aufregen, denke ich, was soll mir schon passieren, ich werde das schaffen.“

Dr. med. Timo Weber, Koordinator des Zentrums für hämatologische Neoplasien ist Spezialist für Blutkrebs und hat Albian Berisha im Laufe seiner Leukämieerkrankung behandelt. Er freut sich sehr, dass Albian jetzt in den Beruf startet.

Albian Berisha ist gerade mal 18, als er die Diagnose Leukämie bekommt. Heute hat er seinen Master in der Tasche und steht kurz vor seinem Referendariat als Lehrer.
Fotos: Klinikum Gütersloh

