Wie aus Altholz neue Spanplatten entstehen: pro Wirtschaft GT blickt bei Pfleiderer in Gütersloh auf zirkuläres Wirtschaften

Produkte, Rohstoffe und Materialien durch Reparatur, Wiederverwendung und Recycling möglichst lange im Kreislauf zu halten – das ist die Grundidee von zirkulärem Wirtschaften. Mehrere Entwicklungen sorgen dafür, dass diese Form des Wirtschaftens für Unternehmen zunehmend attraktiver wird. Gründe dafür sind unter anderem Rohstoffknappheit, instabile Lieferketten sowie der Weg zur Klimaneutralität. Wie zirkuläres Wirtschaften in der Praxis aussehen kann, erlebten mehr als 30 Teilnehmende bei einem Besuch bei Pfleiderer in Gütersloh. Gemeinsam mit der pro Wirtschaft GT, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Gütersloh, hatte der Holzwerkstoffhersteller zu einem Blick hinter die Kulissen eingeladen.

Die Pfleiderer Gruppe mit Hauptsitz in Neumarkt in der Oberpfalz produziert Holzwerkstoffe, Laminate und harzbasierte Klebesysteme. Im Kreis Gütersloh stellt Pfleiderer unter anderem Spanplatten für die Küchenherstellung her und beschäftigt hier rund 400 Mitarbeitende. „Nachhaltigkeit spielt bei uns eine zentrale Rolle und wir sehen uns in diesem Bereich weit vorne“, sagte Stefan Zinn, CCO der Pfleiderer Gruppe. Zinn präsentierte etwa das ‚Organic Board‘, eine Spanplatte, vollständig gefertigt aus Recyclingholz und biogener Verleimung.

„Nachhaltigkeit ist bei Pfleiderer seit 130 Jahren gelebte Praxis“, führte Dr. Stefanie Eichinger, Head of Sustainability, weiter aus. So konnte das Unternehmen seine CO₂-Emissionen seit 2020 um 42 Prozent reduzieren. Zudem sei das Unternehmen autark mit Ökostrom, so Eichinger. „Wir sind außerdem der größte Verarbeiter von Altholz“, erklärte sie. „Rund 80 Prozent unserer Holzrohstoffe sind Recyclingholz aus Kaskaden- und Kreislaufnutzung“. Dabei ist Nachhaltigkeit für Pfleiderer kein Selbstzweck. „Wir sind der Meinung, dass Nachhaltigkeit ein Erfolgsfaktor ist“, sagte die Nachhaltigkeitsexpertin. So würden etwa immer mehr Kunden ausschließlich Produkte beziehen, die mit einem Nachhaltigkeitssiegel versehen sind. Neben den inhaltlichen Impulsen erhielten die Teilnehmenden auch praktische Einblicke. Ein Werksrundgang durch das Spanplatten- und das Beschichtungswerk zeigte, wie aus überwiegend wiedergenutzten Rohstoffen Holzwerkstoffe entstehen.

Doch wie lässt sich der Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft konkret angehen? „Es gibt viele Möglichkeiten, um Produkte und Geschäftsmodelle zur Kreislauffähigkeit auszurichten“, sagte Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp von der Hochschule Bielefeld. „Produkte reparierbar machen, Materialien sinnvoll verwerten, die Nutzungsphase von Produkten verlängern – an all diesen Punkten, lohnt es sich an Circular Economy zu denken.“ Neben steigendem Kundenbedürfnis mit Blick auf nachhaltige Produkte würden zirkulär denkende Unternehmen zudem mehr Nachwuchskräfte anziehen, sagte Schwenzfeier-Hellkamp. „Es gibt viele Gründe, Wirtschaften zirkulär zu denken. Das Wichtigste ist: Anfangen und Schritt für Schritt gehen“, so Schwenzfeier-Hellkamp.

„Zirkularität kann für unsere Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein“, sagte Henning Matthes, Erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh, der die Veranstaltung ebenfalls besucht hat. „Impulse wie der heutige zeigen: Innovation, Erfolg und verantwortungsvolles Handeln können Hand in Hand gehen“, so Matthes.

Unternehmen, die sich auf den Weg machen möchten, finden sowohl bei der Hochschule Bielefeld als auch bei der pro Wirtschaft GT kostenfreie Angebote und Ansprechpersonen. „Wir freuen uns sehr, über unsere Veranstaltungen Beispiele aus der gelebten Unternehmenspraxis im Kreis Gütersloh kennenzulernen“, sagte Jonas Keldenich, Referent für Transformation und Nachhaltigkeit bei der pro Wirtschaft GT.  „Gute Beispiele aus der Nachbarschaft bringen andere Unternehmen ins Handeln. Genau diesen praktischen Austausch braucht es für die Transformation“, so Keldenich.

Angebote und Veranstaltungen der pro Wirtschaft GT finden sich online unter www.prowi-gt.de

Gemeinsamer Blick auf Wertschöpfung im Kreislauf (v. l.): Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp (HSBI), Stefan Zinn (Pfleiderer), Dr. Stefanie Eichinger (Pfleiderer), Jonas Keldenich (proWi GT), Nikola Weber (proWi GT)

Foto: proWi GT