{"id":13614,"date":"2026-04-03T06:26:03","date_gmt":"2026-04-03T04:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/?p=13614"},"modified":"2026-04-02T11:26:47","modified_gmt":"2026-04-02T09:26:47","slug":"ausbildungscoaching-im-jobcenter-kreis-guetersloh-tueroeffner-fuer-junge-leute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/index.php\/2026\/04\/03\/ausbildungscoaching-im-jobcenter-kreis-guetersloh-tueroeffner-fuer-junge-leute\/","title":{"rendered":"Ausbildungscoaching im Jobcenter Kreis G\u00fctersloh: T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr junge Leute"},"content":{"rendered":"<p>In rund 35 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften im B\u00fcrgergeld-Bezug leben Kinder und Jugendliche. Damit diese jungen Menschen ein eigenst\u00e4ndiges Leben ohne Grundsicherung f\u00fchren k\u00f6nnen, ist es besonders wichtig, sie auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Beim Jobcenter des Kreises G\u00fctersloh gibt es daf\u00fcr in Vollzeitstellen gerechnet insgesamt 14 Ausbildungscoaches. In dem Sachgebiet \u201aAusbildung U 25\u2018, verteilt auf die Standorte G\u00fctersloh, Rheda-Wiedenbr\u00fcck und Halle (Westf.), k\u00fcmmern sie sich um insgesamt knapp 1.900 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren. Volker Echterhoff ist einer von ihnen. Als Ausbildungscoach in Halle (Westf.) kontaktiert er die Jugendlichen bereits eineinhalb Jahre vor Schulentlassung, um so m\u00f6glichst fr\u00fch \u00fcber ihre Pl\u00e4ne und Ideen sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen sei in Deutschland noch immer eng mit dem famili\u00e4ren Hintergrund verbunden. Daher sei es laut Echterhoff so wichtig, die jungen Leute fr\u00fchzeitig anzusprechen. Als echtes Urgestein im Bereich der Ausbildungsberatung kann man den Hallenser bezeichnen. Bereits zu Zeiten der GT aktiv, der Vorg\u00e4ngerorganisation des heutigen Jobcenters, hat er in der Leistungsgew\u00e4hrung mit jungen Menschen bis 25 Jahren gearbeitet. Seit 2012, als der Kreis G\u00fctersloh entschied, die Aufgaben der Grundsicherung f\u00fcr Arbeitssuchende eigenverantwortlich wahrzunehmen, ist er f\u00fcr das Jobcenter im Bereich Ausbildung U 25 t\u00e4tig. \u201eBeziehungsarbeit ist f\u00fcr mich das A und O bei meiner T\u00e4tigkeit\u201c, erz\u00e4hlt Echterhoff. \u201eDie jungen Leute brauchen Vertrauen in mich und meine Arbeit, um Informationen und Ratschl\u00e4ge annehmen zu k\u00f6nnen.\u201c Er ist am Standort Halle (Westf.) f\u00fcr ungef\u00e4hr 150 bis 170 Jugendliche und junge Erwachsene zust\u00e4ndig. Ziel ist es immer, die jungen Leute in eine Ausbildung zu vermitteln, so dass sie finanziell unabh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Daher findet der erste Kontakt auch schon fr\u00fch, zum Ende des ersten Halbjahres der Klasse 9, statt. In dem Gespr\u00e4ch werden, meistens im Beisein der Eltern, Fragen gekl\u00e4rt wie: Wie steht es um die schulischen Leistungen? Welche Ideen gibt es f\u00fcr den Anschluss nach der 10. Klasse? \u201eWenn beispielsweise eine Ausbildung geplant ist, k\u00f6nnen die Jugendlichen zu dem Zeitpunkt, falls notwendig, noch richtig was ver\u00e4ndern und an ihrem Zeugnis arbeiten\u201c, erkl\u00e4rt Echterhoff. Abgesehen von den Noten seien insbesondere unentschuldigte Fehlstunden f\u00fcr viele Arbeitgeber ein absolutes No-Go. \u201eDie Arbeitgeber wollen zuverl\u00e4ssige, p\u00fcnktliche Leute. Das Aha-Erlebnis, dass man allein schon durch eine Null bei \u201aunentschuldigten Fehlstunden\u2018 auf dem Zeugnis etwas erreichen kann, ist viel wert.\u201c<\/p>\n<p>Im Laufe der 10. Klasse tritt Echterhoff dann h\u00e4ufiger mit den jungen Leuten in Kontakt. Dabei sind die Beratungsgespr\u00e4che immer stark zugeschnitten auf die Bedarfe der jeweiligen Person. Welcher Wunschberuf wird angestrebt? Wie realistisch ist es, diesen zu erreichen, auch in Anbetracht der schulischen Leistungen? Ist vielleicht der Besuch eines Berufskollegs sinnvoll? \u201eOft ist es wichtig auch \u00fcber Alternativen nachzudenken\u201c, so Echterhoff. \u201eBeispielsweise h\u00f6re ich h\u00e4ufig den Berufswunsch \u201aKfz-Mechatroniker\u2018. Hier gibt es aber auch andere, weniger bekannte M\u00f6glichkeiten, zum Beispiel im Bereich der Land- und Baumaschinen oder dem Karosseriebau, wo die Konkurrenz bei der Bewerbung nicht so gro\u00df ist.\u201c Die Ausbildungsm\u00f6glichkeiten seien vielf\u00e4ltig und das Prinzip der Dualen Ausbildung, wie sie in Deutschland g\u00e4ngig ist, sei nicht \u00fcberall bekannt. \u201eManchmal ist es der Wunsch, insbesondere der Familien, dass die jungen Leute direkt Geld verdienen. Hier die Vorteile einer Ausbildung im Vergleich zu einer dauerhaften T\u00e4tigkeit als ungelernter Helfer aufzuzeigen, ist extrem wichtig.\u201c Die Eltern, als wichtige Botschafter bei der Berufswahl ihrer Kinder, in den Gespr\u00e4chen mit einzubeziehen ist daher sehr bedeutsam.<\/p>\n<p>Echterhoff sieht seine Arbeit als Netzwerkarbeit. Abgesehen von den Schulen, der Arbeitsagentur, dem Jugendamt und anderen Institutionen, steht er vor allem auch mit den Arbeitgebern der Region im Austausch. Es ist f\u00fcr ihn unerl\u00e4sslich zu wissen, welche Betriebe noch vakante Stellen haben und welche Anforderungsprofile gesucht werden. Denn auch der Ausbildungscoach muss wissen, wie die Jobs aussehen, um vern\u00fcnftig beraten zu k\u00f6nnen. \u201eDer pers\u00f6nliche Kontakt zu den Firmen ist unentbehrlich. Wenn ich die Ausbilder anrufen und sagen kann \u201aIch habe da eine Person, kann ich mit der mal vorbeikommen\u2018, ist das Gold wert.\u201c Aber auch umgekehrt kommen Unternehmen auf ihn zu und fragen, ob er geeignete Kandidaten in der Vermittlung hat. Praxiserfahrung ist, neben den schulischen Leistungen, das Wichtigste, was die jungen Leute vorzuweisen haben. \u201eProbiert es aus\u201c ist der Slogan des Ausbildungscoaches, gerne auch verschiedene Berufe in verschiedenen Unternehmen. Zum einen k\u00f6nnen die jungen Menschen so abkl\u00e4ren, ob der Beruf wirklich etwas f\u00fcr sie ist, und zum anderen haben sie die Chance, einen guten Eindruck bei den Arbeitgebern zu hinterlassen. Eine Win-Win-Situation auch f\u00fcr die Betriebe, denn sie erhalten einen ersten Eindruck von den potenziellen Bewerbern. \u201eIch versuche die jungen Menschen auf einen guten Weg und letztlich in den Beruf zu bringen\u201c, erkl\u00e4rt Echterhoff. Das beginnt mit Beratungsgespr\u00e4chen noch w\u00e4hrend der Schullaufbahn, setzt sich fort bei der Suche nach Praktika und schlie\u00dflich nach einem geeigneten Ausbildungsplatz. Daf\u00fcr werden auch schon mal Bewerbungsunterlagen \u00fcberpr\u00fcft oder Echterhoff f\u00e4hrt mit den jungen Menschen raus zu einem potenziellen Arbeitgeber. Auch w\u00e4hrend der Ausbildung steht er f\u00fcr beide Seiten, sowohl f\u00fcr den Azubi als auch f\u00fcr den Betrieb, beratend zur Seite und versucht bei Problemen zu vermitteln.<\/p>\n<p>Nicht immer ist der Weg in die Ausbildung direkt m\u00f6glich. Mangelnde Sprachkenntnisse sind dabei ein gro\u00dfes Hindernis, was aufgrund des Zuzugs Gefl\u00fcchteter aus Kriegs- und Krisenl\u00e4ndern mittlerweile h\u00e4ufiger der Fall ist. Hier werden zun\u00e4chst Sprachkurse angeboten, aber auch Trainings im Job sind m\u00f6glich, wenn es vor allem um Fachvokabular geht. \u201eIch erinnere mich noch an einen jungen Syrer. Der hat in Windeseile Deutsch gelernt und dann eine Ausbildung im Metallbereich gemacht. Heute ber\u00e4t er andere Syrer und hilft ihnen auf ihrem Weg\u201c, berichtet Echterhoff. Manche jungen Leute haben aber auch Hemmnisse, wie beispielsweise psychische Erkrankungen, die zun\u00e4chst abgebaut werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr gibt es, abgesehen von medizinischer Begleitung, Sprungbrett-Ma\u00dfnahmen, um zun\u00e4chst einmal eine Tagesstruktur aufzubauen, oder auch berufsvorbereitende Ma\u00dfnahmen, in denen die Jugendlichen ebenfalls die M\u00f6glichkeit haben, Berufe bei einem Bildungstr\u00e4ger auszuprobieren, aber auch einen Schulabschluss nachzuholen. In sogenannten Einstiegsqualifizierungen, die vier bis zw\u00f6lf Monate dauern, \u00fcbernimmt sogar das Jobcenter einen Teil des Gehalts, wenn der junge Mensch daf\u00fcr die Chance auf eine Ausbildungsstelle erh\u00e4lt. Ziel ist dabei nat\u00fcrlich immer ein \u201anormales\u2018 Ausbildungsverh\u00e4ltnis. In drei Vierteln der F\u00e4lle klappe dies, betont Echterhoff. \u201eSolche Ma\u00dfnahmen sind aufwendig, aber sie lohnen sich\u201c, ist der Ausbildungscoach \u00fcberzeugt. So berichtet er von einem jungen Mann, der lange Zeit zu Hause untergetaucht war. Mit Hilfe von Sprungbrett- und berufsvorbereitenden Ma\u00dfnahmen, hat er es geschafft, sein Fachabitur nachgeholt und eine Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht. Nun wird er in den S\u00fcden der Republik gehen und dort Soziale Arbeit studieren. \u201eIch versuche immer T\u00fcren f\u00fcr die jungen Leute zu \u00f6ffnen, hindurchgehen m\u00fcssen sie jedoch selbst\u201c, erkl\u00e4rt Echterhoff.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-13615\" src=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026_04_02_Ausbildungscoach_Echterhoff_Jobcenter-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"571\" srcset=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026_04_02_Ausbildungscoach_Echterhoff_Jobcenter-Kopie.jpg 1000w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026_04_02_Ausbildungscoach_Echterhoff_Jobcenter-Kopie-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026_04_02_Ausbildungscoach_Echterhoff_Jobcenter-Kopie-768x439.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Volker Echterhoff m\u00f6chte als Ausbildungscoach beim Jobcenter des Kreises G\u00fctersloh jungen Leuten T\u00fcren in eine finanziell unabh\u00e4ngige Zukunft \u00f6ffnen. Foto: Kreis G\u00fctersloh.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>In rund 35 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften im B\u00fcrgergeld-Bezug leben Kinder und Jugendliche. Damit diese jungen Menschen ein eigenst\u00e4ndiges Leben ohne Grundsicherung f\u00fchren k\u00f6nnen, ist es besonders wichtig, sie auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Beim Jobcenter des Kreises G\u00fctersloh gibt es daf\u00fcr in Vollzeitstellen gerechnet insgesamt 14 Ausbildungscoaches. 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