{"id":3506,"date":"2022-07-26T11:42:07","date_gmt":"2022-07-26T09:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/?p=3506"},"modified":"2022-07-26T11:42:07","modified_gmt":"2022-07-26T09:42:07","slug":"10-owl-integrationskongress-viele-unsicherheiten-bei-migration-aus-der-ukraine-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/index.php\/2022\/07\/26\/10-owl-integrationskongress-viele-unsicherheiten-bei-migration-aus-der-ukraine-2\/","title":{"rendered":"10. OWL-Integrationskongress:  Viele Unsicherheiten bei Migration aus der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>G\u00fctersloh. \u201eOWL integriert! Teilhabe von zugewanderten Menschen. Sprache \u2013 Bildung \u2013 Arbeit\u201c lautete das Motto des diesj\u00e4hrigen Integrationskongresses Ostwestfalen-Lippe. Er fand zum 10. Mal statt und wurde vom Kreis G\u00fctersloh ausgerichtet, in Kooperation mit der Bezirksregierung Detmold und dem Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge. Im gro\u00dfen Sitzungssaal im Kreishaus G\u00fctersloh hatte Kreisdirektorin Susanne Koch bei ihrer Begr\u00fc\u00dfung nur wenige Live-G\u00e4ste \u2013 der Integrationskongress war hybrid, online nahmen weit \u00fcber 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ostwestfalen-Lippe teil. F\u00fcr den Kongress hatte ein Dienstleister auf einer Plattform eine virtuelle Konferenzumgebung geschaffen, auf der sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer via Zoom austauschten, in einer digitalen Lounge gemeinsam Pausen verbringen konnten und online beispielsweise die Arbeit von Nadine Ro\u00dfa verfolgen, die das Gesprochene per Graphic-Recording in Bilder umsetzte. Federf\u00fchrend f\u00fcr die Organisation beim Kreis G\u00fctersloh war das Kommunale Integrationszentrum unter Leitung von Manuel Erdmeier.<\/p>\n<p>Regierungspr\u00e4sidentin Marianne Thomann-Stahl: \u201eIntegration geschieht vor Ort: in Schulen, bei der Arbeit, in Vereinen, in der Nachbarschaft. Damit Integration gelingt, ist Unterst\u00fctzung erforderlich. Ich bin froh, dass es in Ostwestfalen-Lippe ein starkes Netz von Beteiligten und Institutionen gibt, die diese Unterst\u00fctzung leisten. Insbesondere die Kommunalen Integrationszentren nehmen hierbei eine wichtige Rolle ein. Sie leisten unverzichtbare Arbeit f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr eine gelingende Integration einsetzen. Die Bezirksregierung sch\u00e4tzt dieses Engagement au\u00dferordentlich und wird es auch weiterhin nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Bei ihrer Begr\u00fc\u00dfung sprach Kreisdirektorin Koch das Thema an, das sich wie ein roter Faden durch den Kongresstag zog. \u201eAngesichts der aktuellen geopolitischen Situation, die sich sehr direkt auch auf unsere Region mit den aus der Ukraine hier Schutz suchenden Menschen auswirkt, ist unsere Thematik der \u201aIntegration\u2018 und Teilhabe aktueller denn je. Als Kreis haben wir darauf reagiert und zum 1. Juni das Kommunale Integrationszentrum als eigenst\u00e4ndige Abteilung in unsere Verwaltungsgliederung umgesetzt.\u201c Eine Podiumsdiskussion, Vortr\u00e4ge und sieben Themenforen \u2013 auch in hybrider Form \u2013 die Situation der ukrainischen Fl\u00fcchtlinge bestimmte den 10. OWL-Integrationskongress. Gonca T\u00fcrkeli-Dehnert, Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Integration im Ministerium f\u00fcr Kinder, Familie, Fl\u00fcchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, nahm bei ihrer Begr\u00fc\u00dfung die drei Themen vorweg, die in den Diskussionen eine gro\u00dfe Rolle spielten: \u201eSprache, Bildung und Arbeit: Ohne diese drei Vorrausetzungen k\u00f6nnen die Menschen nicht am gesellschaftlichen Leben partizipieren.\u201c Und Volker M\u00e4ulen, Abteilungspr\u00e4sident 4 des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge, erg\u00e4nzte: \u201eMenschen mit Einwanderungsgeschichte zu integrieren ist eine Herausforderung, die den Einsatz von allen Beteiligten verlangt: Beh\u00f6rden, Wohlfahrtsverb\u00e4nden, Migrantenorganisationen, Arbeitgeber\/innen, Vereinen, Ehrenamt und Vielen mehr \u2013 insbesondere auf kommunaler Ebene. Die Teilhabe von zugewanderten Menschen an Sprache, Bildung und Arbeit kann nur durch eine gemeinsame, koordinierte Arbeit vor Ort erfolgreich sein und letztlich zu einer nachhaltigen, gelungenen Integration und somit zu einem \u201aAnkommen in Deutschland\u2018 f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Prof. Dr. Herbert Br\u00fccker, Ukraine-Experte der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, stellt die Migration aus der Ukraine eine besondere Herausforderung dar. In seinem Vortrag aufkommen, \u201aKrieg in der Ukraine: Folgen f\u00fcr Migration und Integration\u2018 betonte er die gro\u00dfe Unsicherheit, die mit der Migration aus der Ukraine einher gehe. Wie lange dauert der Krieg? Wie viele werden zur\u00fcckkehren? Wie viele werden bleiben? Kommen Familienmitglieder nach? Ungewissheit erschwere die Integration, senke beispielsweise den Anreiz, die Sprache zu erlernen. \u201eUm den Fachkr\u00e4ftemangel zu beheben ist die Migration aus der Ukraine daher relativ ungeeignet.\u201c Positiv bewertete er den Rechtskreiswechsel vom Asylbewerberleistungsgesetz hin zum SGB II, also Hartz IV. \u201eDas wird die Integration erleichtern.\u201c Man m\u00fcsste vielleicht immer erg\u00e4nzen, die Integration derer, die bleiben wollen. Eines betonte der Professor, der an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakult\u00e4t \u00d6konomische Integrations- und Migrationsforschung betreibt: Soll die Integration gelingen, muss die Betreuungsfrage gel\u00f6st werden, damit die oftmals hoch qualifizierten Frauen \u00fcberhaupt ins Erwerbsleben starten k\u00f6nnen. Er pl\u00e4dierte in diesem Zusammenhang f\u00fcr eine Deregulierung. Es m\u00fcsse m\u00f6glich sein, Hilfskr\u00e4fte einzusetzen, die beispielsweise nicht den Erzieherberuf gelernt h\u00e4tten. Sonst scheitere die Betreuungsfrage am fehlenden Personal.<\/p>\n<p>Spracherwerb, Unterbringung, Parallelen und Unterschiede zur Migration aus dem Nahen und Fernen Osten 2015\/2016 \u2013 viele Themen tauchten immer wieder auf dem hybriden Integrationskongress auf. Im Unterschied zu 2015\/2016 gab es zum Beispiel nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine sehr gro\u00dfe private Hilfsbereitschaft in der Bev\u00f6lkerung, die die Arbeit der \u00f6ffentlichen Stellen sehr entlastet hat. In der Podiumsdiskussion wurde daher auch gewarnt, Fl\u00fcchtlinge zu kategorisieren. Alle seien gleich und h\u00e4tten die gleichen Rechte, zudem sei auch 2015\/2016 die Hilfsbereitschaft zumindest im Kreis G\u00fctersloh sehr gro\u00df gewesen. Auf die Unterschiede bei der Migration ging auch Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani ein. Der Professor f\u00fcr Bildung und Erziehung in der Migrationsgesellschaft (Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck) er\u00f6rterte Klassenzugeh\u00f6rigkeit und Migration als benachteiligende Rahmenbedingungen. \u201eEs ist allgemein bekannt, dass die Herkunft eines Kindes relativ stark seine Lebenschancen beeinflusst.\u201c Das gelte f\u00fcr im besonderen Ma\u00df f\u00fcr gefl\u00fcchtete Kinder. \u201eIn keinem Bereich zeigt sich der soziale Unterschied so sehr wie beim Erlernen eines Instruments\u201c, nannte El-Mafaalani. Der Zugang h\u00e4nge wesentlich von der Herkunft der Familie ab. \u00c4hnliches gelte f\u00fcr Sport im Verein. Im Umkehrschluss bedeute das: Musik und Sport machen ist unheimlich wichtig f\u00fcr den Bildungswerdegang, Kindern mit Migrationshintergrund m\u00fcsse alles erm\u00f6glicht werden, was ihre Entwicklung f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3507\" src=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/2020_06_23_OWL-Integrationskongress_Koch_IMG_7459-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/2020_06_23_OWL-Integrationskongress_Koch_IMG_7459-Kopie.jpg 1000w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/2020_06_23_OWL-Integrationskongress_Koch_IMG_7459-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/2020_06_23_OWL-Integrationskongress_Koch_IMG_7459-Kopie-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Kreisdirektorin Susanne Koch er\u00f6ffnete den 10. OWL-Integrationskongress, der in hybrider Form stattfand, am Donnerstag im gro\u00dfen Sitzungssaal des Kreishauses G\u00fctersloh. Foto: Kreis G\u00fctersloh<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>G\u00fctersloh. \u201eOWL integriert! Teilhabe von zugewanderten Menschen. Sprache \u2013 Bildung \u2013 Arbeit\u201c lautete das Motto des diesj\u00e4hrigen Integrationskongresses Ostwestfalen-Lippe. Er fand zum 10. Mal statt und wurde vom Kreis G\u00fctersloh ausgerichtet, in Kooperation mit der Bezirksregierung Detmold und dem Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge. Im gro\u00dfen Sitzungssaal im Kreishaus G\u00fctersloh hatte Kreisdirektorin Susanne Koch bei <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/index.php\/2022\/07\/26\/10-owl-integrationskongress-viele-unsicherheiten-bei-migration-aus-der-ukraine-2\/\" title=\"10. 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