{"id":401,"date":"2021-02-01T15:59:36","date_gmt":"2021-02-01T14:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/?p=401"},"modified":"2021-02-01T15:59:36","modified_gmt":"2021-02-01T14:59:36","slug":"aerzte-im-kreis-gegen-corona-telefonischer-zirkel-im-staendigen-austausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/index.php\/2021\/02\/01\/aerzte-im-kreis-gegen-corona-telefonischer-zirkel-im-staendigen-austausch\/","title":{"rendered":"\u00c4rzte im Kreis gegen Corona:  Telefonischer Zirkel im st\u00e4ndigen Austausch"},"content":{"rendered":"<p><strong>G\u00fctersloh.<\/strong> In der G\u00fctersloher Schaltzentrale der Pandemie, dem Gesundheitsamt des Kreises, macht die Leiterin, Dr. Anne Bunte an diesem nieseligen Abend im Januar 2021 die Leitungen auf f\u00fcr eine Telefonkonferenz (TelKo). Bunte sortiert ihre Unterlagen und sucht den Einwahlcode. Dass sie zur mittlerweile 42. Telefonkonferenz zum Management und der Versorgung von Covid-Patienten begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrde, h\u00e4tte sie vor knapp einem Jahr nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Bis zum 27. Januar 2020 war alles normal. Dann kam Corona.<\/p>\n<p>Zweimal hat die Konferenz 2020 noch im Kreishaus stattgefunden, seitdem holt Bunte die Akteure im Kampf gegen Corona telefonisch zusammen: Niedergelassene Kolleginnen und Kollegen aus den Kommunen im Kreisgebiet, Kliniken, den Rettungsdienst, das Impfzentrum, Kinder\u00e4rzte, die \u00c4rztekammer und Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL): \u201eEs ist anstrengend f\u00fcr die Teilnehmer, aber nachher wissen wir alle, wie die Situation im Kreis ist.\u201c Wie immer beginnt sie die Konferenz mit einem Bericht \u00fcber Inzidenzwerte, den Todesf\u00e4llen vor allem unter den hochbetagten und mehrfach erkrankten Heimbewohnern und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass es neben der s\u00fcdafrikanischen auch die englische Variante des Coronavirus bis in den Kreis G\u00fctersloh geschafft haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Fr\u00fchsommer 2020: Mittlerweile ist die Telefonkonferenz fest etabliert, die Neuinfektionen sinken, es gibt den gr\u00f6\u00dferen Ausbruch bei Westcrown in Dissen \u2013 sonst aber Einzelf\u00e4lle oder kleine Cluster \/ Ausbr\u00fcche.<\/p>\n<p>Bei der Einladung zur damals schon 14. Telefonkonferenz am 17. Juni 2020 wollte man urspr\u00fcnglich \u2013 wie es im Krisenstabsjargon hei\u00dft \u2013 \u201evor die Lage kommen\u201c. Was die Leiterin des Gesundheitsamtes zu diesem Zeitpunkt noch nicht wei\u00df: An diesem Morgen wird sie der Leiter eines Labors in OWL (Ostwestfalen-Lippe) anrufen und ihr mitteilen, dass es \u00fcber 400 positive Testungen im Werk T\u00f6nnies gebe. Die TelKo wird kurzfristig am Abend um eine Stunde verschoben, weil der Krisenstab aufgrund des Ausbruchs zum geplanten Zeitpunkt noch tagte. Mit den \u00c4rzten in den Praxen und den Krankenh\u00e4usern wird beraten, wie Erkrankte schnell und bestm\u00f6glich versorgt werden k\u00f6nnen \u2013 was dann mit Unterst\u00fctzung der KVWL in k\u00fcrzester Zeit umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Aus der im Fr\u00fchling einberufenen Telefonrunde zum Krisenmanagement hat sich in der Folge ein \u00e4rztlicher Qualit\u00e4tszirkel entwickelt, der inzwischen sogar von der \u00c4rztekammer zertifiziert wurde.<\/p>\n<p>So sieht das auch Dr. Christina Hornberger aus der Runde der engagierten \u00c4rztinnen und \u00c4rzten, die sich zum Teil sogar aus dem Urlaub heraus zuschalten. Dass die Telefonkonferenz die Zusammenarbeit von Kliniken, Haus\u00e4rzten und dem Rettungsdienst vereinfacht, berichtet die junge Haus\u00e4rztin aus Rheda-Wiedenbr\u00fcck. Es habe \u201eextremst geholfen\u201c, dass die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung dabei sei. Auch hitzige Diskussionen habe es gegeben. Dennoch gebe es ein sehr kollegiales Miteinander und jeder habe immer wieder das Gef\u00fchl, dass man \u00e4hnliche Probleme hat, die alleine nicht zu l\u00f6sen sind. Wer macht die Weiterversorgung, wer betreut die Heime in Urlaubsphasen oder \u00fcber Weihnachten? \u201eDas Wir-Gef\u00fchl hat es gest\u00e4rkt\u201c, fasst die Internistin zusammen.<\/p>\n<p>In eineinviertel Stunden ruft Bunte das Impfzentrum auf, l\u00e4sst die Leiterin der Bezirksstelle der \u00c4rztekammer berichten, bindet alle Krankenh\u00e4user \u2013 inklusive Bielefeld als Mutterhaus zum Klinikum Halle \u2013 mit ein. Bei ihr kommen Kinder\u00e4rzte zu Wort und die vielen niedergelassenen \u00c4rzte, die an der Corona-Front in der Fl\u00e4che des Kreises arbeiten \u2013 ganz nah am Patienten.<\/p>\n<p>Im fachlichen Austausch wird sichtbar: Bei den Impfaktionen in Pflegeeinrichtungen wurden in Einzelf\u00e4llen vor allem bei j\u00fcngeren Mitarbeitern grippale Symptome und ein bis zwei Tage Arbeitsunf\u00e4higkeit beobachtet. Auch von einzelnen allergischen Reaktionen wird berichtet und davon, dass bei manchen die Einstichstelle schmerzt. \u201eImmunantwort\u201c ist die Erkl\u00e4rung, die die Telefonierenden haben. W\u00e4hrend sie beratschlagen, dass es sinnvoll sein k\u00f6nnte, vorsorglich das eigene Personal zeitversetzt zu impfen, macht die Leiterin des Gesundheitsamtes ihre Notizen. In der n\u00e4chsten Lagebesprechung des Krisenstabes wird sie wie jedes Mal einen aktuellen Bericht \u00fcber den Status quo im Kreis vorlegen \u2013 samt detaillierter Einsch\u00e4tzungen aus der Praxis.<\/p>\n<p>Ein Krankenhaus meldet in derselben ruhigen Art, wie die anderen, dass Corona-Patienten kommen und auch wieder entlassen werden. Weil es aber Infektionen ungekl\u00e4rter Ursache gebe, sei ein Besucherstopp erlassen worden.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste, bitte!\u00a0 Die \u00c4rztekammer und eine Klinik berichten von der Sorge von Mitarbeitern, die in der Impfpriorisierung weit hinten seien. Sie arbeiteten an vorderster Front, aber k\u00f6nnten noch nicht mit einer Impfung rechnen. Diese Sorge bleibt im Raum stehen.<\/p>\n<p>Bunte ruft nun \u201eG\u00fctersloh\u201c auf, es folgt das gesamte Kreisgebiet bis Versmold und Werther. \u201eIch habe meine Struktur und die kennen die Teilnehmer.\u201c Vorbildlich diszipliniert berichten die \u00c4rzte, diskutieren Fragen Diagnostik, Therapie, Umgang mit Impfmittelresten bis zu\u00a0 Abrechnungsthemen. \u00c4rzte sind ge\u00fcbt, gut zuzuh\u00f6ren. Videoschalte? Nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Bunte wechselt zum n\u00e4chsten Teilnehmer in der Audio-Konferenz. \u201eStabile Situation\u201c wird aus Halle gemeldet, es gebe aber immer wieder neue F\u00e4lle bei Mitarbeitern. Der Qualit\u00e4tszirkel am Telefon diskutiert nun die M\u00f6glichkeit einer Re-Infektion und es wird klar: An der Teststrategie h\u00e4lt man fest. Lateinische Begriffe fallen, ebenso Abk\u00fcrzungen aus dem Fachjargon.<\/p>\n<p>Und immer wieder das Thema Alten- und Pflegeeinrichtungen: Die Belastung f\u00fcr die Bewohner und Mitarbeiter sei hoch und wird bedauert \u2013 um im n\u00e4chsten Satz die Sorgfalt in den Fokus zu nehmen: \u201eWir k\u00f6nnen uns Lockerungen bei den Schutzma\u00dfnahmen noch nicht leisten \u2013 wegen der Gefahr der Eintr\u00e4ge von au\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Solidarisch haben sich k\u00fcrzlich die Kliniken untereinander gezeigt. Das kommt noch einmal zur Sprache. Bunte in die Runde: \u201eIch kann mich nur noch mal bedanken, dass Impfstoff abgegeben wurde \u2013 von einer Klinik an eine andere, damit alle mit der Impfung der Mitarbeiter in den kritischen Bereichen beginnen k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Von kleinen Clustern im privaten Bereich berichtet ein Arzt. \u201eAuf eine Ausbreitungs-Dynamik, die man sich nicht erkl\u00e4ren kann, achten\u201c, hei\u00dft die Empfehlung aus dem Gesundheitsamt. Bunte wei\u00df, wovon sie redet, denn als Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt K\u00f6ln hat sie reichlich Erfahrungen mit Infektionskrankheiten gemacht, zuletzt 2018 mit einem gr\u00f6\u00dferen Masernausbruch (aber auch mit Lassafieber, das erst nach dem Tod des Patienten bekannt wurde). Im Coronaausbruch bei T\u00f6nnies zog sie namhafte Hygieniker und andere Experten hinzu. Ob man nach einer PCR, die positiv war, auch nach besonderen Varianten schauen sollte, wird gefragt. \u201eWenn es Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt, auf jeden Fall. Aktuell ist es noch keine Kassenleistung, sondern sollte mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.\u201c Anne Bunte ist jemand, die nicht nur das Heute gestaltet, sondern schon an das Morgen denkt und damit auch an die britische Corona-Variante. Es\u00a0 wird vermutet, dass diese Mutante auch schon im Kreis G\u00fctersloh ist. Nur der Beweis steht noch aus.<sup>*<\/sup><\/p>\n<p>* 2 Tage sp\u00e4ter wurden die ersten F\u00e4lle labortechnisch best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-402\" src=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/telko-2021_01_27_Telko_Bunte_Portrait_Q_Format-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/telko-2021_01_27_Telko_Bunte_Portrait_Q_Format-Kopie.jpg 1000w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/telko-2021_01_27_Telko_Bunte_Portrait_Q_Format-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.marktplatz-hsw.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/telko-2021_01_27_Telko_Bunte_Portrait_Q_Format-Kopie-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Dr. Anne Bunte, die Leiterin der Abteilung Gesundheit im Kreis G\u00fctersloh in ihrem B\u00fcro. (Foto: Kreis G\u00fctersloh)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>G\u00fctersloh. In der G\u00fctersloher Schaltzentrale der Pandemie, dem Gesundheitsamt des Kreises, macht die Leiterin, Dr. Anne Bunte an diesem nieseligen Abend im Januar 2021 die Leitungen auf f\u00fcr eine Telefonkonferenz (TelKo). Bunte sortiert ihre Unterlagen und sucht den Einwahlcode. Dass sie zur mittlerweile 42. 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