Gemeinsam lernen, was am Lebensende zählt  

Tobias Bertels, Leiter des DRK-Bildungszentrums, und Mareike Neumayer, Akademieleiterin des Hospiz- und Palliativ-Vereins GT, schlossen jetzt die erste offizielle Kooperation beider Einrichtungen. Gemeinsam wird eine umfangreiche Palliativ-Ausbildung durchgeführt. (Foto: DRK)
DRK und Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh stärken mit gemeinsamer Weiterbildung die regionale Zusammenarbeit .
Kreis Gütersloh. Ob im Pflegeheim, im Krankenhaus, im Hospiz oder zu Hause: Wenn Menschen schwer erkranken und letztlich sterben, sind oft verschiedene Berufsgruppen an ihrer Versorgung beteiligt. Diese haben unterschiedliche Aufgaben und Erfahrungen – und müssen dennoch gut zusammenarbeiten. Genau das wollen das DRK Gütersloh und der Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh mit ihrer ersten gemeinsamen Weiterbildung stärken. „Unter dem Seminartitel „Palliative Care“ lernen Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen, Menschen am Lebensende sicher zu begleiten und gut mit anderen an der Versorgung Beteiligten zu kooperieren“, schildert Tobias Bertels, Leiter des DRK-BiZ, Inhalte der Kooperation.
Was die Weiterbildung im Arbeitsalltag zum Positiven verändern kann, zeigt die Erfahrung von Lena Schulz. Als Heilerziehungspflegerin in der Eingliederungshilfe stand sie vor der Situation, eine langjährige Bewohnerin in ihren letzten Tagen und Stunden zu begleiten. Doch sie wusste seinerzeit nicht, mit der Situation umzugehen: „Ich bin eher vor ihr weggerannt, als dass ich für sie da sein konnte – ein ganz schlechtes Gefühl“, sagt Schulz rückblickend. Die Palliative-Care-Weiterbildung half ihr, sich intensiv mit Sterben und Tod auseinanderzusetzen – fachlich und auch persönlich. „Heute fühle ich mich sicher und kann auf die Bedürfnisse sterbender Menschen eingehen und letzte Wünsche ermöglichen.“
„Palliative Versorgung funktioniert nicht allein“, sagt Mareike Neumayer, Leiterin der Akademie des Hospiz- und Palliativ-Vereins Gütersloh. „Deshalb ist es so wertvoll, wenn Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen bereits in der Weiterbildung miteinander lernen.“ Im Kursus werden unterschiedliche berufliche Erfahrungen und Perspektiven aufeinandertreffen. Zugleich lernen Teilnehmende Fachleute aus dem Kreis Gütersloh kennen: „Die Referentinnen und Referenten sind zu einem großen Teil selbst erfahrene Akteure der regionalen Palliativversorgung. So entsteht neben Fachwissen ein Netzwerk, das auch nach den Bildungseinheiten weiterhelfen kann“, so Neumayer.
Auch Nina Schrade, Pflegedienstleitung DRK Soziale Dienste und Einrichtungen Gütersloh, kennt die Bedeutung und den Bedarf aus der Praxis: „Mitarbeitende brauchen Sicherheit, wenn ein Mensch schwer erkrankt oder stirbt. Sie müssen wissen, was sie selbst tun können – und genauso, wann sie andere Fachleute hinzuziehen sollten.“
Stefan Rischer, Leiter eines des Wilhelm-Florin- Altenpflegezentrums, hat bereits Mitarbeitende in „Palliative Care“ weiterbilden lassen. Er spricht von ‚Letztverlässlichkeit‘: „Menschen sollen am Ende ihres Lebens darauf vertrauen können, nicht einfach nur versorgt zu werden, sondern möglichst so leben und sterben zu dürfen, wie sie es sich wünschen. Dafür braucht es Wissen, Haltung, Erfahrung und Mitarbeitende, die auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben und miteinander arbeiten können.“
Die Weiterbildung beginnt im November und umfasst insgesamt 160 Unterrichtseinheiten: 40 Unterrichtseinheiten im ersten Modul „Palliative Praxis – multiprofessionell“ (steht auch Nichtfachkräften offen), darauf aufbauend weitere 120 Unterrichtseinheiten in Modul 2. Sie ist nach dem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zertifiziert.
Informationen und Anmeldemöglichkeiten zum Kooperationsprojekt des DRK im Kreis Gütersloh und des Hospiz- und Palliativ-Vereins Gütersloh gibt es unter: https://hospiz-und-palliativmedizin.de/akademie/www.hospiz-und-palliativmedizin.de/akademie/ oder 05241 / 708 90 44.
Tobias Bertels, Leiter des DRK-Bildungszentrums, und Mareike Neumayer, Akademieleiterin des Hospiz- und Palliativ-Vereins GT, schlossen jetzt die erste offizielle Kooperation beider Einrichtungen. Gemeinsam wird eine umfangreiche Palliativ-Ausbildung durchgeführt. (Foto: DRK)